Myanmar

Das goldene Land

Pagoden, Buddhas und herzliche Menschen

Hier möchte ich einen kleinen Bericht abliefern über meine Reise nach Myanmar/Burma im September und Oktober 2012. Myanmar ist ein sehr einfach zu bereisendes Land (wenn man Zeit hat). Die Menschen sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Trotz der großen Armut wurden wir zum Abendessen eingeladen, hatten wir gratis Stadtführer und gleichzeitig Dolmetscher, hat man uns für eine paar nette Konversationen Geschenke gemacht, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Wie Thailand vor 20 Jahren

Was auch noch einen sehr großen Reiz Myanmars ausmacht ist die relative Ursprünglichkeit. Es ist noch nicht so von der westlichen Zivilisation verseucht wie z.b. Thailand. Coca Cola gab es bei unserer Ankunft offiziell erst seit 2 Monaten zu kaufen. Leider wird es nicht mehr lange so bleiben. Die Besucherzahlen explodieren von 300.000 Besucher im letzten Jahr auf geplante 1,2 Mio Besucher im nächsten Jahr.

Stationen in Myanmar

Yangon

Yangon, Start- und Endpunkt der Reise

Golden Rock

Golden Rock, zweite Station der Reise

Inle Lake

Inle Lake, dritte Station der Reise

Mandalay

Mandalay, vierte Station der Reise

Hispaw

Hispaw, fünfte Station der Reise

Bagan

Bagan, sechste Station der Reise

Die ehemalige Hauptstadt Yangon

Yangon ist zwar seit 2005 offiziell nicht mehr die Hauptstadt von Myanmar aber eigentlich nur auf dem Papier. Mit 4,5 Mio. Einwohner ist sie der Schmelztiegel Myanmars und natürlich der Hauptankunftsort für Touristen. Lediglich in Mandalay gibt es noch einen zweiten internationalen Flughafen. Yangon ist zwar groß und für burmesische Begriffe modern aber noch sehr weit weg von anderen asiatischen Metropolen wie Bangkok oder Singapur. Neben verfallenen Kolonialgebäuden, qualmenden Uraltautos, zerfallenen Straßen und primitiven Straßenmärkten gibt es natürlich auch einige wenige neuere Hochhäuser und in den Außenbezirken großen Villen mit teuren Autos. Vereinzelt gibt es Handygeschäfte mit billigen chinesischen Fake-Handys, wobei sich selbst diese kaum einer Leisten bei z.B. 35$ Monatslohn für einen Lehrer. Viele Teile der Stadt sind ziemlich heruntergekommen, da die Regierung ihr ganzes Geld in die neue Hauptstadt steckt und Yangon mit den verlassenen Regierungsgebäuden zerfallen lässt.

Keine motorisierten Zweiräder

Eine interessante und für eine asiatische Stadt völlig untypische Tatsache ist die, dass es in Yangon kaum motorisierte Zweiräder gibt. Also keine Roller und Motorräder, die sonst zu Millionen in den Städten unterwegs sind. Das Gerücht lautet, dass vor Jahren einer der Generäle einen Unfall mit einem Rollerfahrer hatte und diese seitdem verboten sind. In den anderen Städten herrscht der ganz normale Rollerverkehr.

Angst vor linkem Putsch führt zu Rechtsverkehr

Eine weiterer interessanter Aspekt des burmesischen Verkehrs ist der geltende Rechtsverkehr. Eigentlich normal aber es fahren hauptsächlich Rechtslenker, also Autos die für den Linksverkehr gedacht sind. Bis Mitte der 70er galt in (damals noch) Birma auch Linksverkehr, aufgrund der englischen Kolonialgeschichte. Doch von einem Tag auf den anderen beschloss der damals regierende General, dass die Autos auf den anderen Straßenseite fahren müssen. Er hatte Gerüchte über einen linken Putsch gegen ihn gehört. Um die bösen Omen zu vertreiben ging er unterm anderen gegen den Linksverkehr vor. Viele der Autos stammen noch aus dieser Zeit und die „neuen“ Wagen kommen meist billig aus Thailand oder Japan, wo noch heute Linksverkehr herrscht. Man kann sich also Überholmanöver vorstellen, die speziell ohne Beifahrer, einem Blindflug gleichen.

Shwedagon Pagode – das religiöse und kulturelle Zentrum

Insgesamt habe ich eine gute Woche in Yangon verbracht und neben viele Wanderungen durch die Stadt, Ausflügen in die Umgebung auch 3 mal die Shwedagon Pagode besucht. Sie ist auf dem Titelbild zu sehen und das Nationalheiligtum der Burmesen schlechthin. Dort Abends zu sitzen und den Übergang von Tag zu Nacht zu erleben ist magisch. Überall Gläubige, die Kerzen anzünden, Buddahfiguren waschen oder einfach nur beten.

Straßenbild in Yangon

Viele alte und laute Autos, zerfallene Kolonialgebäude und ein Mönch.

Straßenleben in Yangon

Obst, Gemüse und Fleisch.
Alles bekommt man auf der Straße.

Shwedagon Pagode

Das religiöse und kulturelle Zentrum.

Golden Rock

Das nächste Ziel war der Golden Rock oder goldene Felsen. Nach einer Taxifahrt von Bago in den Ort am Fuß des Golden Rock ging es per Sammelfahrt auf der Ladefläche eines LKW weiter. Dieser braucht ca. 1,5 Stunden für die schmale, teils sehr steile, Straße zur nächsten Zwischenstation. Ab dort geht es nur noch zu Fuß oder für Faule per Sänfte weiter bis zum Gipfel. Überall am Hang befinden sich Wohnhäuser mit kleinen Rastplätzen und Straßenverkäufen für die erschöpften und durstigen Touristen.

Auf dem Bergkamm befindet neben einem kleinen Dorf und zwei sündhaft teure Hotels, eine große Templeanlage. In disem Areal befinden sich gleich mehrere heilige Orte und natürlich der goldene Felsen. Dieser sitzt auf am Rande eines Steinplateaus und macht den Eindruck jeden Moment ins Tal zu stürzen. Aber natürlich steht der Fels schon seit langer Zeit am Abgrund und wird es wohl auch noch eine Weile tun.

Bergdorf

Schöne Aussicht nach atemraubenden Aufstieg.

Der Goldene Fels im Nebel

Inle Lake

Mit dem Nachtbus ging es weiter an den Inle Lake. Der See selber liegt idyllisch zwischen Bergen auf ca. 900 Meter. Das etwas kühlere Klima, die Ruhe und vor allem die saubere Luft waren wohltuend nach der stickig heißen Luft der Stadt. Die bevorzugten Fortbewegungsmittel hier sind das Fahrrad oder das Boot. Mit beidem kann man wunderbare Touren zu Tempeln, Häuser auf Pfählen und schwimmenden Gärten machen. Dabei lassen sich Einbeinruderer, Webereien, Zigarettenfabriken, Silberschmiede und eines von zwei Weinanbaugebieten in ganz Myanmar bestaunen. Ein wunderbarer Ort, um die Seele baumeln zu lassen.

Inle Lake

Blick vom Weinberg. Der See ist in der Mitte links zu sehen.

Fischer

Einzigartige Einbein-Rudertechnik

Weberei

Ein Familienbetrieb. Die Oma beim Baumwolle spinnen.

Pickled Tea Leave Salad

Feines Essen auf burmesische Art.

Mandalay

Nach einer Woche Ruhe am Inle See wurde es wieder Zeit für Großstadt, Lärm und Dreck. Davon gibt es reichlich in Mandalay. Ich war ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht von dieser schon oft besungenen Stadt (u.a. Frank Sinatra und Robbie Williams). Vielleicht lag es daran, dass die Busfahrt dorthin furchtbar war. Der Bus war zur Hälfte mit Waren beladen und auf den restlichen Plätzen lungerten zwielichtige Gestalten, die aber genauso mit der zur Klimaanlage umfunktionierten geöffneten Bustür und dem Dauerregen zu kämpfen hatten. Vielleicht lag es auch daran, dass die Tour durch Mandalay sich unabsichtlich auf die schmutzigsten und ärmsten Ecken und weniger auf die Touristenattraktionen beschränkt hat. Daneben waren z.B. eine der größten Touristenattraktionen, das große Kloster, eine Enttäuschung mit Ankündigung. Wie immer bei beworbenen und bekannten Touristenattraktionen trifft an auf viele selbiger Spezies. Da ich beim bisherigen Aufenthalt kaum Touristen zu Gesicht bekam, war ich doch sehr erschrocken dass scheinbar alle in der Stadt anwesenden Touristen an diesem Morgen der Speisung der Mönche beiwohnen wollten.

Kloster mit Essensausgabe für die Mönche

Die Essensausgabe wird in diesem Kloster besonders zelebriert. Dabei stellen sich Vormittags um 10.30 alle Mönche des Klosters (weit über 100) in mehreren Reihen vor den Speisesälen auf. Punkt 10.30 ziehen sie dann gemeinsam zum Essen ein. Dieses „Happening“ ist natürlich ein gefundenes Motiv für die Touristen, die in Schaaren dem Spektakel beiwohnen. So viele sollten mir während der gesamten Reise nie wieder auf einem Haufen begegnen. Man kann auch deutlich bei den Mönchen sehen, wie unangenehm es ihnen ist ins Foto-Dauerfeuer genommen zu werden. Deshalb habe ich auch auf Photos der Mönche verzichtet.

U-bein Brücke

Normalerweise ragen die Teak-Pfähle mehrere Meter aus dem Wasser. Hier herrscht allerdings Hochwasser.

Verschmutzung

Die weniger schöne Seite Mandalays. Ein See und gleichzeitig Müllhalde.

Bettelnde Kinder

Die Armut ist auch bei den größten Touristenattraktionen immer sichtbar.

Hispaw

Wir waren froh nach drei Tagen weiter Richtung China in ein kleines abgelegenes Städtchen zu Reisen, nach Hispaw. Das Städtchen war auf jeden Fall eines der Highlights der Reise. Die Stadt ist sehr gemütlich, wir hatten ein super Guesthouse und die Landschaft rundherum ist atemberaubend.   Wir wollten ursprünglich nur 3 Tage bleiben. Allerdings machte uns die Shan-Rebellenarmee einen Strick durch die Rechnung. Wir wollten unbedingt ein Overnighttrek in die Berge machen, was dann aber für mehrere Tage verboten war. Der Grund war der Durchmarsch der Rebellenarmee und die Tatsache, dass die Regierung den Touristen jegliche Probleme im Land vorenthalten möchte. Im Grunde durfte wir einfach nur nicht sehen, dass es so etwas wie eine Rebellenarmee gibt. Für uns selber hätte keine direkte Bedrohung bestanden. So konnte wir also erst mit drei Tagen Verspätung losziehen, was sich aber auf jeden Fall gelohnt hat.

Panorama

Hispaw liegt abgeschieden in einer Bergregion ca. zwei Autostunden vor der chinesischen Grenze.

Bergdorfbewohnerin

Morgengebet

Zwei alte Dorfbewohnerinnen beim täglichen Gebet

Bergdorf einer Minderheit

Das Ziel unseres 2-tägigen Trekkingsausflugs

Teeplantage

Die Haupteinnahmequelle der Bewohner

Bagan

Die vorletzte Etappe meiner Myanmar-Reise war Bagan. Auch dort waren wir wieder fast eine Woche. Leider hatten wir die ersten drei Tage nicht viel Glück mit dem Wetter. An den letzten zwei Tagen konnten wir dafür jeweils einen unglaublichen Sonnenaufgang auf der Spitze einer Pyramide erleben. Die Ebene von Bagan ist mit ca. 7000 Tempeln übersäht und zu jeder Zeit ein atemberaubender Anblick.

Unbeschreiblich schön – Sonnenaufgang über Bagan

Interessanter Weise ist Bagan bisher nur auf der Anwärterliste für das UNSECO Weltkulturerbe. Hauptgrund dafür ist die diletantische Art auf der die Temple restauriert werden. Ein interessanter Kommentar eines Archäologen dazu war: Die ahnungslosen Arbeiter, die vor 1000 Jahren diese Temple in aller Eile gebaut haben, restaurieren diese auch heute mit der gleichen Ahnungslosigkeit und Eile. Schön anzuschauen sind die Tempel trotzdem :-) Trotz der deutlich höheren Touristendichte haben wir gerade in Bagan sehr viele nette Burmesen getroffen und sogar richtige Freundschaften geschlossen. Ein mehr als würdiger Abschluss eine sehr schönen Reise.

Tempelruinen soweit das Auge reicht

Nicht nur Touristen auch Einheimische besuchen diesen besonderen Ort.

Mönchsschüler

Meist Waisen oder vor der Gewalt in ihrer Heimat geflohen.

Beeindruckende Monumente

Überall verteilt liegen die unterschiedlichsten Tempel.

Video: Ein Reise durch Myanmar – 100 Clips in 100 Sekunden